13 Aug(Thu) – Talk Waltraud Ernst

Talk and discussion as part of the Sommeruni-Focus 2020 “Boundaries of the Body”

05.00 – 06.30 p.m.
Public event for all genders

Kollektive Aktionsformen, digitale Werkzeuge und virtuelle Netzwerke
Mag.in Dr.in Waltraud Ernst, Institut für Frauen- und Geschlechterforschung, Johannes Kepler Universität Linz

Das Internet, der Cyberspace, ‚Künstliche Intelligenz‘ oder die Digitalisierung erfüllen nicht von sich aus Hoffnungen auf eine umfassende Überwindung von Geschlechterhierarchien und einer damit verbundenen Überwachung binärer Geschlechterkategorien einschließlich der Standardisierungen von Weiblichkeit und Männlichkeit. Es wäre allerdings genauso naiv zu glauben, zukünftige emanzipatorische Bestrebungen könnten die Digitalisierung weiter Teile menschlicher Interaktion ignorieren oder umgehen und trotzdem erfolgreich sein. Die Digitalisierung des Alltags scheint so weit fortgeschritten, dass sie längst nicht nur die jüngeren Gesellschaftsmitglieder betrifft. Bisher selbstverständlich scheinende öffentliche, demokratische und institutionelle Prozesse werden signifikant über digitale Medien verändert. Ebenso weit entwickelt sind Prozesse der Digitalisierung in den meisten Bereichen der Erwerbsarbeit. Digitale Kenntnisse sind Voraussetzung für viele Berufe und Tätigkeiten. Das heißt auch, dass digitale Kenntnisse weit verbreitet sind und regelmäßig ein- und ausgeübt werden.

Auf diesem selbstverständlich gewordenen Wissen können kollektive anti-rassitische, anti-kapitalistische, queer-feministische Aktionsformen und virtuelle Netzwerke aufbauen. Dabei geht es nicht darum, mit feministischen Argumenten für eine Ausbreitung oder Beschleunigung der Digitalisierung Stellung zu beziehen, sondern eher zu analysieren, wie und wo digitale Medien genutzt werden können, um Herrschaftsmuster zu stören oder zu unterlaufen. Dies ist eine notwendige und aktuelle Forschungsfrage. Weiterführend ist darüber zu diskutieren: Wie können Prozesse oder Verhältnisse, die bisher herrschaftsförmig organisiert sind bzw. waren, im Zuge der Digitalisierung dazu genutzt werden, in dieser Neuorganisierung von diskriminierenden Faktoren befreit zu werden? Oder: Wie können die neuen digitalen Instrumente der Überwachung von Herrschaft für kollektive anti-rassitische, anti-kapitalistische, queer-feministische Aktionsformen und virtuelle Netzwerke genutzt werden? Welche Möglichkeiten der Vernetzung, Intervention und Interaktion konnten geschaffen werden?

Der Vortrag geht diesen Fragen nach, präsentiert und analysiert Beispiele.

Zur Vortragenden:
Waltraud Ernst, Dr. phil. (1996 Uni Wien), M.A. (1990 Uni Bielefeld), Philosophin, seit 2010 Universitätsassistentin am Institut für Frauen- und Geschlechterforschung der Johannes Kepler Universität Linz; 2001-2003 Projektleiterin (Hertha-Firnberg-Forschungsstelle des FWF zu „Erotic Economies of Science“) am Institut für Philosophie der Universität Wien; 2004-2010 Leiterin des Zentrums für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der HAWK und der Universität Hildesheim; 2014-2017 Vertreterin Österreichs in der EU COST Action „New Materialism. Networking European Scholarship on ‚How matter comes to matter‘; 2016 Käthe-Leichter-Preis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt des österr. BM WFW; 2018 Gastprofessur im Bereich Ingenieurwissenschaften der TU Dresden im Rahmen des Projektes „MEHRWERT durch mehr Perspektiven“.

Lehr- und Forschungsschwerpunkte: Geschlechterkonzeptionen in Natur- und Technikwissenschaften; Feministische Wissenschafts- und Erkenntnistheorie; Begriffe, Theorien und Methoden der Gender Studies; Ethik und Politik der Globalisierung; Gender & Diversity im Virtuellen.
Web: https://www.jku.at/institut-fuer-frauen-und-geschlechterforschung/ueber-uns/team/ernst/

Aktuelles Projekt:
https://www.jku.at/institut-fuer-frauen-und-geschlechterforschung/news-events/tagungen-des-ifg/ifgars-electronica-festival-2020-how-to-become-a-high-tech-anti-discrimination-activist-collective/

Aktuelle Publikationen:

Ernst W., Caixeta L.: Contesting Values in New Worldings, in: GENERO: A Journal of Feminist Theory and Cultural Studies, Vol. 23, University of Belgrade, 101-123, 2019 https://generojournal.org/current-issue.html

Ernst, W.: Technikverhältnisse: Methoden feministischer Technikforschung, in: Beate Kortendiek, Birgit Riegraf, Katja Sabisch (Hrsg.): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung. Band 1, Serie Geschlecht und Gesellschaft, Vol. 65, Springer VS, Wiesbaden, 447-455, 2019 https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-12496-0_41

Ernst W.: Emancipatory interferences with machines? In: International Journal of Gender, Science and Technology, Volume 9, Number 2, 178-196, 2017 http://genderandset.open.ac.uk/index.php/genderandset/article/view/509

Ernst W.: Materialisierungen des Imaginären in den Technowissenschaften, in: Brigitte Buchhammer (Hg.) (Eds.): Lernen, Mensch zu sein. Beiträge des 2. Symposiums der SWIP Austria, 177-195, LIT Verlag, 2017.

Ernst, W., Horwath, H. (Eds.): Gender in Science and Technology. Interdisciplinary Approaches, Bielefeld: transcript Verlag 2014 https://e-book.fwf.ac.at/o:453

following discussion

Moderation
Henrike Illig und Veronika Oechtering, Uni Bremen

Treffpunkt: im Stud.IP der Uni Bremen
Meeting-Raum “Vortrag Waltraud Ernst” in der Veranstaltung “Open Space IFIS”

Teilnahme für Teilnehmerinnen und Dozentinnen der Sommerunis
(im Stud.IP aktivierter Gastaccount oder Dozentinnenaccount der Sommerunis notwendig) sowie für alle Interessierten (auf Anfrage)

Der BigBlueButton-Link lautet
https://elearning.uni-bremen.de/plugins.php/meetingplugin/index/joinMeeting/6834?cid=068b772221365a35881831ffa17a23ce

Language: in German

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