[Uni-Logo] Universität Bremen
Fachbereich 3 Mathematik / Informatik
Studiengang Informatik
AG Theoretische Informatik

                [Eng.
... sorry, text only in german

[Feminale-Logo] 2. Sommerstudium vom 13. - 24.9.1999
im Rahmen des Projekts Informatica Feminale - Sommeruniversität für Frauen in der Informatik

Ringvorlesung





Die inhaltliche Bezüge zwischen den verschiedenen Themen sollen explizit hergestellt werden. Deshalb werden im Rahmen der Ringvorlesung aktuelle Aspekte der verschiedenen Schwerpunkten des Sommerstudiums aufgegriffen. Außerdem werden in verschiedenen Vorträgen feministische Ansätze und Fragestellungen der Informatik in die Diskussion eingebracht. Nicht zuletzt soll die Ringvorlesung ein täglicher Treffpunkt für alle Teilnehmerinnen sein, um einen Studientag gemeinsam abzuschließen. 

Mixed Reality - der erweiterte Raum vernetzter Strukturen
Monika Fleischmann, GMD Forschungszentrum Informationstechnik GmbH, Sankt Augustin

Programmierunterricht einmal anders
Prof. Dr. Debora Weber-Wulff, Technische Fachhochschule Berlin und Malmoe hoegskola, Schweden

Neue Trends im Internet
Prof. Dr. Martina Zitterbart, Technische Universität Braunschweig

Responsive Leiblichkeit: Zur Verwobenheit von Körper und Milieu
Dr. Barbara Becker, GMD Forschungszentrum Informationstechnik GmbH, Sankt Augustin

Multimedia: Technik - Gestaltung - Kunst?
Prof. Dr. Silke Seehusen, Fachhochschule Lübeck

Die Interaktion zwischen Gender Studies und Informatik
Dipl.-Math. Cecile Crutzen, Open Universiteit Heerlen, Niederlande

Telearbeit in ihren Auswirkungen auf Organisationsgestaltung und Kompetenzentwicklung
PD Dr. Brita Modrow-Thiel, Universität Bremen

Sie weiß, was sie will. Zur Beteiligung von Frauen an sexueller Kultur im Netz.
Dr. Nicola Döring, Universität Heidelberg

Wie wollen wir als Informatikfachfrauen Studienreformen in die Hand nehmen?
Dipl.-Inform. Veronika Oechtering und Dr. Karin Vosseberg, Universität Bremen

The virtual woman student. Gender and distance education: a case study of the Open University UK
Gill Kirkup, Open University, Milton Keynes, Großbritannien

Projektarbeit mit Kunden - theoretisch so einfach, praktisch voller Klippen
Dipl.-Inform. Sabine Rohlfs, IF InterFace Consulting Ltd., Ottawa, Kanada





Mixed Reality - der erweiterte Raum vernetzter Strukturen
Monika Fleischmann, GMD Forschungszentrum Informationstechnik GmbH, Sankt Augustin
Mo. 13.9. 10-12 Uhr
Wer heute in einer modernen Gesellschaft kommunikative Kompetenz beansprucht, muß mit einem Computer umgehen können, die gängige Software beherrschen, Fax und Handy bedienen können und ständig bereit sein, neue Kommunikationsformen in interaktiven Prozessen kennen, verstehen und anwenden zu lernen. Unter dem Eindruck der elektronischen Medien verändert sich die Wahrnehmungsstruktur der Menschen permanent und in einer rasanten Geschwindigkeit. Wie können wir auf die Flut von Bildern reagieren und damit über die neuen Wahrnehmungsstrukturen reflektieren? Der virtuelle Raum ist ein Probenraum. Dort können 'als ob' Situationen gespielt werden wie im Theater. Zur gesellschaftlichen Sozialisation gehört das "Lesen von Inszenierungen", das Einüben kultureller Kommunikationsformen. In unserem eRENA-Projekt (Electronic Arenas: linking real and virtual spaces - http://imk.gmd.de/mars ) arbeiten wir mit theatralischen Mixed Reality Konzepten an der Verbindung von realem und virtuellem Raum.

Einordnung: Interaktion und Modellierung

Programmierunterricht einmal anders
Prof. Dr. Debora Weber-Wulff,
Technische Fachhochschule Berlin und Malmoe hoegskola, Schweden
Mi. 14.9. 16-18 Uhr
Videokonferenz mit der Malmoe hoegskola, Schweden

Traditionell beginnt der Anfangsunterricht in den Programmiersprachen mit der Besprechung eines kleinen Programms, das lediglich die Zeile "Hello World" am Bildschirm darstellt. Von dort werden die Datentypen durchgenommen, die einzelnen Programmflußkonstrukte und Zustandsänderungsmechanismen besprochen, ein Ausflug in die Niederungen der Parameterübergabemechanismen wird unternommen, und nur wenn die Zeit reicht auch mal Zeiger ange-sprochen. Jede Woche werden kleine Programme von den Studierenden erstellt, am Ende des Semesters reicht es vielleicht zur Implementierung einer verketteten Liste.

Gerade die jungen, männlichen Studenten mögen diese Art des Unterrichts. Sie betrachten sich als code warriors, die mit einem Übersetzer kämpfen, um ihn zu besiegen, um ihm die Zustimmung zum eigenen Codevorschlag abzuverlangen und siegreich den Ablauf entsprechend den eigenen Wünschen zu betrachten.

Prof. Dr. Lynn Andrea Stein, Informatik-Professorin am MIT in der USA, fand eine starke Diskrepanz zwischen dieser Art des Unterrichts und der Art des Denken, das für die Erstellung von objekt-orientierten Programmen im Team verlangt wird. Ihr Projekt "Rethinking CS101" verwendet eine ganz andere Unterrichtsmethodik für den Anfangsunterricht, die außerdem viele Aspekte gewünschten Ingenieurverhaltens antrainiert. Ich habe während meines Forschungssemesters in Schweden Gelegenheit gehabt, dieses Verfahren auszuprobieren.

Einordnung: Entmystifizierung des Studiums

Neue Trends im Internet
Prof. Dr. Martina Zitterbart, Universität Braunschweig
Mi. 15.9. 16-18 Uhr
Der Vortrag befaßt sich mit aktuellen Trends im Internet. Hier ist insbesondere die Unterstützung von Multimedia-Anwendungen als eine Aufgabenstellung zu sehen. Die grundlegenden Konzepte und Protokolle werden kurz vorgestellt. Ein wichtiger Gesichtspunkt, die Gruppenkommunikation wird etwas breiter diskutiert inklusive von Anwendungen hierfür, die heute im Internet bereit stehen.

Einordnung: Vernetzung

Responsive Leiblichkeit: Zur Verwobenheit von Körper und Milieu
Dr. Barbara Becker, GMD Forschungszentrum Informationstechnik GmbH, Sankt Augustin
Do. 16.9. 16-18 Uhr
In feministischen Diskussionen zur Bedeutung des Körpers zeigte sich immer wieder eine Polarisierung zwischen zwei unterschiedlichen Positionen: Auf der einen Seite wurde der weibliche Körper als unhintergehbare Quelle individueller Akzentuierungen begriffen; auf der anderen Seite wurden diskurstheoretische Annahmen entwickelt, denenzufolge auch das biologische Geschlecht bestimmt ist von kulturellen Zuschreibungen. In Anlehnung an phänomenologische Schriften von Merleau-Ponty, Waldenfels und Meyer-Drawe soll im Rahmen dieses Vortrags ein "dritter" Weg beschritten werden, der einerseits zur Kenntnis nimmt, daß auch das vermeintlich Natürliche nicht unabhängig gedacht werden kann von entsprechenden kulturellen Bezeichnungen, andererseits aber unser leibliches "In-der-Welt-Sein" auf eine Zwischensphäre von Ich und Welt deutet, in der sich prädiskursiv und atmosphärisch schon Sinn entfaltet.

Einordnung: Interaktion und Modellierung

Multimedia: Technik - Gestaltung - Kunst?
Prof. Dr. Silke Seehusen, Fachhochschule Lübeck
Fr. 17.9. 16-18 Uhr
Die Integration von verschiedenen Medien in Multimedia-Anwendungen erschließt neue Anwendungsbereiche für Rechner, von aufwendigen Produktpräsentationen über Spiele bis hin zu virtuellen Lerneinheiten.

Neben den technischen Grundlagen sollen ebenso die von Multimedia mehr als nur berührten Gebiete Mediengestaltung, Ergonomie und Medienkunst beleuchtet werden. In diesem Spannungsfeld bieten sich diverse Forschungs- und Entwicklungsthemen für Informatikerinnen an, sowohl im technischen Bereich als auch zum Beispiel in den gestalterischen Bereichen.

Einordnung: Interaktion und Modellierung

Die Interaktion zwischen Gender Studies und Informatik
Dipl.-Math. Cecile Crutzen, Open Universiteit Heerlen, Niederlande
Sa. 18.9. 16.30-18.30 Uhr
"Gender Studies" ist eine Wissenschaft, die sich aus der feministischen Emanzipationsbewegung entwickelt hat. Stand am Anfang die wissenschaftliche Begründung der Gleichberechtigung der Frauen im Mittelpunkt, so ist Gender Studies derzeit eine Wissenschaft, die viele Differenzen bevorzugt und die untersucht, wie diese Differenzen nebeneinander leben können, ohne stets aufs Neue Ungleichheit zu konstruieren. Gender (Geschlecht) ist zum Symbol für alle Prozesse geworden, bei denen Gegensätze konstruiert werden und diese Gegensätze zu Machtausübung und Unterdrückung führen können.

Einerseits ist die Informatik in ihren Arbeitsweisen und ihrer Methodik auf der Suche nach Gleichheit und Ähnlichkeit und konstruiert damit immer neue Ungleichheiten. Andererseits produziert die Informatik Werkzeuge, mit denen Differenzen erlebt werden können. Dies ist ein Dilemma, mit dem sich alle Informatikerinnen auseinandersetzen müssen.

In diesem Vortrag wird dargestellt, wie Gender Studies Inspiration für Konstruktionen in der Informatik sein kann, und wie Gender Studies kritischer Aktor für das Umgehen mit den vielen Dilemmas ist, die in der und durch die Informatik anwesend sind und sichtbar werden.

Einordnung: Interaktion und Modellierung

Telearbeit in ihren Auswirkungen auf Organisationsgestaltung und Kompetenzentwicklung
PH Dr. Brita Modrow-Thiel, Universität Bremen
So. 19.9. 16.30-18.30 Uhr
Im Rahmen des Vortrags werden die Auswirkungen verschiedener Formen von Telearbeit auf die Entwicklung von Kompetenzen der Erwerbstätigen beleuchtet. Kompetenzen werden aufbauend auf formalen Qualifikationen im Prozeß der Arbeit erworben. Es wird gefragt, welche neuen Kompetenzen durch Telearbeit erworben werden müssen bzw. welche Kompetenzen überhaupt notwendig sind, damit Telearbeit eingeführt werden kann. Eng damit verbunden ist die Frage der Organisationsgestaltung. Telearbeit kann in verschiedenen Organisationsstrukturen durchgeführt werden: sie können von tayloristisch strukturierten Organisationen bis zu virtuellen Organisationen reichen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob und wie sich Kompetenzen und Organisationsstrukturen gegenseitig bedingen. Diese Zusammenhänge werden im Vortrag aufgeführt und können anschließend diskutiert werden.

Einordnung: Softwareentwicklung als Prozeß

Sie weiß, was sie will. Zur Beteiligung von Frauen an sexueller Kultur im Netz.
Dr. Nicola Döring, Universität Heidelberg
Mo. 20.9. 18-18 Uhr
Sexueller Netzgebrauch hat in der breiten Öffentlichkeit und in feministischen Kreisen meist kein gutes Image: Er gilt als eine mehr oder minder destruktive, sexistische Männerdomäne. Wenn wir in der Auseinandersetzung mit "Sexualität im Netz" Frauen und Mädchen durchgängig als Objekte und Opfer konstruieren, machen wir nicht nur auf Mißstände aufmerksam, sondern reproduzieren gleichzeitig patriarchales Denken, indem wir Frauen einseitig auf ihren angestammten Objekt- und Opfer-Status festlegen und ihren Subjekt-Status negieren. Angesichts der regen Beteiligung von Mädchen und Frauen an sexueller Kultur im Netz ist die monothematische Auseinandersetzung mit dem - tatsächlichen oder vermeintlichen - Fehlverhalten von Männern ihrerseits androzentrisch. Der Vortrag möchte dem defensiven Opfer-Diskurs diesmal einen offensiven Subjekt-Diskurs entgegenstellen, der die lustvollen und herausfordernden Aktivitäten von Mädchen und Frauen im Netz würdigt, ohne mögliche Beeinträchtigungen oder Grenzverletzungen zu bestreiten.

Einordnung: Vernetzung

Wie wollen wir als Informatikfachfrauen Studienreformen in die Hand nehmen?
Dipl.-Inform. Veronika Oechtering, Universität Bremen
Dr. Karin Vosseberg, Universität Bremen
Di. 21.9. 16-18 Uhr
Zur Studienreform in der Informatik haben Frauen viel zu sagen! Verschiedene Untersuchungen der letzten Jahre zeigen auf, daß sowohl die Struktur und Kultur des Studiums als auch die Studien- und Forschungsinhalte zentrale Ausgrenzungsfaktoren für Frauen sind. Dennoch wird dies in den laufenden Bemühungen um Hochschulreformen fast nie berücksichtigt. Immer noch werden weitere Informatikstudiengänge geschaffen, deren männliche Zielgruppe nicht hinterfragt wird.

Grundlegende Verbesserungen der vorhandenen Studiengänge im Interesse von Frauen, beispielsweise durch radikal geänderte Studienanfangsjahre oder neue Verhältnisse von technischen zu nicht-technischen Studienanteilen, bleiben bis heute unerprobt. Es ist an der Zeit, daß wir als Fachfrauen unsere eigenen Erfahrungen deutlich artikulieren. Wir wollen über curriculare Veränderungen hinaus Lehr- und Lernformen und nicht zuletzt eine veränderte Studienkultur einfordern, die Frauen ein attraktives Studieren technischer Fächer gewährleisten.

Einordnung: Entmystifizierung des Studiums

The virtual woman student. Gender and distance education: a case study of the Open University UK
Gill Kirkup, Open University, Milton Keynes, Gro§britannien
Mi. 22.9. 16-18 Uhr
Many claims continue to be made for the potential of information and communication technologies to overthrow gender inequality in education. These are based on ideas about mass access to the technologies and equal access by men and women, and on notions of the liberatory nature of disembodiment. The first idea needs to be addressed by an analysis of empirical data on access and use, the second by reference to this empirical data as well as reflection on how we understand both our women students and the function of education. Feminist pedagogy for example has identified both learning and women students as importantly situated, both socially and materially. We are now being asked to understand our students as disembodied learners. Can we, should we?

Research at the Open University UK (OUUK) has identified gender differences between adult men and women students over the last 20 years. In the last ten years the OUUK has begun changing its systems from those based on traditional media such as print, broadcast TV and face-to-face support, to incorporate more ICTs, and use them to replace other media. To do this it must rely on student access to ICTs in the home and workplace. Therefore the OUUK carries out large scale survey work on its students to help understand their use and access of ICTs. A gender analysis of this data suggests that the ICT based learner is still importantly situated in a gendered world which impacts on their relationship to the technolo-gies, and their learning needs. The presentation will look at some of this data and raise questions about its meaning for modelling women learning using ICTs.

Einordnung: Entmystifizierung des Studiums

Projektarbeit mit Kunden - theoretisch so einfach, praktisch voller Klippen
Dipl.-Inform. Sabina Rohlfs, IF InterFace Consulting Ltd., Ottawa, Kanada
Do. 23.9. 16-18 Uhr
Hier geht es um Tips, die den Erfolg bei der Projektarbeit sichern. So ist es notwendig, beim Kunden genau zuzuhören und Fragen zu stellen, denn erst dann lassen sich die tatsächlichen Anforderungen erkennen. Ich muß den eigenen Lern- und Arbeitsstil gut verstehen, denn dann erst kann ich Unterschiede zum Lern- und Arbeitsstil des Kunden erkennen, und den eigenen Stil dem des Kunden anpassen. Ich muß einschätzen können, wo sich ein Projekt in puncto Software Capability Maturity Model befindet, um erfolgversprechende Methoden finden zu können oder um zumindest zu verstehen, warum ein Projekt nicht läuft. Ich muß die unausgesprochenen Prioritäten des Kunden verstehen, denn dann erst kann ich die wahren Ziele ansteuern, zum Beispiel Termine einhalten statt eine "perfekte Lösung" zu liefern.

Einordnung: Softwareentwicklung als Prozeß


zur Einladung


Gültig bis 31.05.2000. Letzte Änderung 04/99. K.V.