[Uni-Logo] Universität Bremen
Fachbereich 3 Mathematik / Informatik
Studiengang Informatik
AG Theoretische Informatik

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[Feminale-Logo] Sommerstudium vom 21.9 - 2.10.1998
im Rahmen des Projekts Informatica Feminale - Sommeruniversität für Frauen in der Informatik

Softwareentwicklung als Prozeß





Softwareentwicklung ist keine Tätigkeit einer Person alleine, zurückgezogen im stillen Kämmerlein. Softwareentwicklung ist eine Auseinandersetzung mit dem Anwendungsgebiet, den technischen Möglichkeiten und den Veränderungen der Arbeits- bzw. Lebenssituation der Betroffenen. Informatikerinnen müssen sich über ihre technischen Kenntnisse hinaus auf verschiedene Anwendungsgebiete einlassen können. Sie müssen lernen, eine gemeinsame Sprache und Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten der Anwendungsgebiete zu finden und einen verantwortungsbewußten Blick für ihr Handeln erhalten. Ein wichtiges Merkmal der Softwareentwicklung ist die Kooperation und Kommunikation aller an dem Prozeß beteiligten Personen. Ein Ziel des Themenschwerpunkts Softwareentwicklung als Prozeß  ist, dem Bild der Hackerkultur, das Frauen eher ausgrenzt, entgegenzuwirken. Unter dem Leitthema "Kooperation und Kommunikation während des Softwareentwicklungsprozesses" werden die Modelle und Methoden der Softwareentwicklung entlang des Softwarelebenszyklus in den Mittelpunkt der Veranstaltungen gerückt. Neben technischen und formalen Modellen und Methoden zur Entwicklung einer Systemarchitektur haben dabei Aspekte wie Projekt- und Qualitätsmanagement ihren Platz erhalten. Eine Auseinandersetzung mit formalen und sozialwissenschaftlichen Methoden ist dabei hilfreich, um zu lernen, sich auf Fragestellungen einzulassen, die über den technischen Tellerrand hinausgehen. Die Themen Verantwortung von Informatikerinnen und Berufsethik werden als wichtige Themen der Softwareentwicklung betrachtet, werden jedoch nicht als "Zusatz-Bonbon" in eigenen Veranstaltungen vermittelt, sondern als integrativer Bestandteil der angebotenen Veranstaltungen gesehen.

Software Engineering - Historische Entwicklung
Dr. Ute Twisselmann, IBM Heidelberg

Rechnerunterstützte Kooperation und Kommunikation (CSCW) bei der Gestaltung einer Literatur-Datenbank
Dr. Ulrike Erb, notesdev, Hannover, Dr. Hilda Tellioglu, TU Wien, Österreich

Die Interaktion zwischen objektorientiertem Denken und feministischer Kritik - eine dynamische Verbindung
Dipl.-Math. Cecile Crutzen, Open Universiteit Heerlen, Niederlande; Dr. Karin Vosseberg, Uni Bremen

Grundlagen von Petri-Netzen und ihre Anwendung im Systementwurf
Prof. Dr. Ursula Goltz, Uni Hildesheim; Dr. Michaela Huhn, Uni Karlsruhe; Dr. Heike Wehrheim, Uni Hildesheim

Qualitätsmanagement
Dr. Ruth Marzi, TU Berlin

User-Partizipation: Methoden, Modelle und Erfahrungen
A.Univ.Prof. Dr. Edeltraud Hanappi-Egger, TU Wien, Österreich

Software Engineering + World Wide Web = Web Engineering
Dr. Martina Schollmeyer, FAST e.V., München




IF 3-781 Software Engineering - Historische Entwicklung
  Dr. Ute Twisselmann, IBM Heidelberg
  Mo. 21.9. 14-18 Uhr
Di. 22.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Mi. 23.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Do. 24.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Fr. 25.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Vorlesung mit Übung
  Voraussetzungen: Kenntnisse des "Programmieren im Kleinen"
  Skript
In der Entwicklung des Software Engineering haben sich neben den Methoden (Strukturierte Programmierung/Jackson - Objektorientierung) und Sprachen auch die Arbeitsweisen (kein Prozeß - Wasserfallprozeß - Prototypenzyklus) und -umgebungen verändert. Darin steckt auch der Wandel vom 'Ein-Personen-für-sich-selbst'- Entwicklungsstil zur professionellen Teamumgebung. Diese Veränderungen wurden zum einen durch die technischen Möglichkeiten (Speicher, Prozessorgeschwindigkeit, Graphikfähige Terminals), die theoretischen Weiterentwicklungen (abstrakte Datentypen), damit verbundenen neuen Sprachen (ADA, Smalltalk,C++,...) als auch durch neue Anforderungen der Kunden (Wartbarkeit, Portierbarkeit, Zuverlässigkeit, Benutzbarkeit auch durch Laien, ...) angestoßen. Ein geschichtlicher Überblick des Software Engineering auf den drei Hauptlinien: Theorie, Prozesse und Praxis und Anwendung fördert das Verständnis dieser Zusammenhänge. Die Vorlesung wird begleitet von Übungen in Gruppen zum Thema Designabsprachen und Software/Designinspections.


IF 3-892 Rechnerunterstützte Kooperation und Kommunikation (CSCW) bei der Gestaltung einer Literatur-Datenbank
  Dr. Ulrike Erb, notesdev, Hannover
Dr. Hilda Tellioglu, TU Wien, Österreich
  Do. 24.9. 8-12 Uhr
Fr. 25.9. 10-12 und 14-16 Uhr
Sa. 26.9. 14-18 Uhr
So. 27.9. 14-18 Uhr
Mo. 28.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Di. 29.9. 8-12 und 14-16 Uhr
 
  Voraussetzungen Grundkenntnisse Softwareengineering, Kenntnisse über Groupware-Tools z.B. LotusNotes sindwünschenswert
  Teilnehmerinnen 15
In diesem Projekt wird das Thema 'Rechnerunterstützte Kooperation und Kommunikation (CSCW)' theoretisch beleuchtet und an einem konkreten Beispiel praktisch umgesetzt. Insbesondere werden Konzepte wie Shared Databases und Shared oder Common Information Spaces betrachtet und implementiert. Im theoretischen Teil dieses Projektes wird eine Einführung in das Leitthema 'Rechnerunterstützte Kooperation und Kommunikation (CSCW = computer supported cooperative work)' gegeben. Der theoretische "Input" wird durch kleine praktische Beispiele veranschaulicht, mit denen gleichzeitig ein problemorientierter Einstieg in das Groupware-Tool Lotus Notes gegeben wird. Dieser Teil wird einerseits von den Veranstalterinnen vermittelt, andererseits aber auch durch Referate, Präsentationen und anschließende Diskussionen der Studentinnen erarbeitet. Im praktischen Teil des Projektes wird eine zentrale Datenbank für die Verwaltung von Artikeln mit dem Thema 'Frauen und (Computer)Technik' gemeinsam von der Projektgruppe erstellt. Die Datenbank wird partizipativ in der Projektgruppe entworfen und implementiert. (Z.B. eine Gruppe in der Rolle der Benutzerinnen und eine in der Rolle der Entwicklerinnen). Anschließend werden die Benutzungsoberflächen entworfen und programmiert.


IF 3-792 Die Interaktion zwischen objektorientiertem Denken und feministischer Kritik - eine dynamische Verbindung
  Dipl.-Math. Cecile Crutzen, Open Universiteit Heerlen, Niederlande
Dr. Karin Vosseberg, Uni Bremen
  Mo. 28.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Di. 29.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Mi. 30.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Do. 1.10. 8-12 und 14-16 Uhr
Fr. 2.10. 8-12 Uhr
Seminar
  Voraussetzungen Grundstudium Informatik
  Teilnehmerinnen 18
  kommentierter Veranstaltungsplan
Betrachten wir die reale Welt der Menschen in ihrem Kontext mit der "Objektbrille", so können wir sie analysieren und in einem Modell beschreiben, das aus Einheiten (Objekten) mit individuellen Zuständen, einem spezifischen Verhalten, sowie weiteren Eigenschaften besteht. Zwischen diesen Einheiten können Interaktionen beobachtet werden, die zeitlich begrenzter oder permanenter Art sind. Das Konzept der Objektorientierung ist momentan noch nicht so stabilisiert, daß ihre Akzente in der Analyse und beim Entwurf ganz festgelegt sind. In der (Informatik-)Literatur werden die Vorteile dieser Methode einerseits im regulierenden Charakter (Bibliotheksobjekte, geschlossene Objekte, Vererbung) gesucht. Anderseits werden die Vorteile auch im dynamischen Charakter dieser Methode gesehen: Objekte machen es möglich, die Welt als eine Welt von Aktoren zu sehen, die in jeder Situation wieder neue Allianzen eingehen können. Viele Fragen können erst beantwortet werden, wenn eine kritische Diskussion über das "Denken in Objekten" beginnt, durch Integration des Methodenlernens mit Wissenschaftskritik. Aus der feministischen Wissenschaftskritik sind viele Verbindungen mit Objektorientierung möglich, z.B. Objekt-Subjekt-Relation, Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit, Objektivität/Subjektivität, Reduktion und Abstraktion, Klassifikation und Gruppenbildung in Verbindung mit der Bedeutung von Gleichheit, Ähnlichkeit, Gleichnis, Unterschied und Differenz, usw. Das Seminar soll durch Konfrontation feministischer Studien und Objektorientierung die Möglichkeit bieten, diese Informatikmethode kritisch zu unterrichten und zu lernen - und trotzdem eine gewisse Tiefe in der Nutzung der Methode zu erreichen.


Block A
IF 3-691A
Block B
IF 3-691B
Block C
IF 3-691C
Grundlagen von Petri-Netzen und ihre Anwendung im Systementwurf
  Prof. Dr. Ursula Goltz, Uni Hildesheim
Dr. Michaela Huhn, Uni Karlsruhe
Dr. Heike Wehrheim, Uni Hildesheim
  Block A:
Mi. 23.9. 10-12 Uhr
Do. 24.9. 10-12 Uhr
Fr. 25.9. 8-10 Uhr  
Block B:
Do. 24.9. 14-16 Uhr
Fr. 25.9. 10-12 und 14-16 Uhr
Block C:
Sa. 26.9. 14-16 Uhr
So. 27.9. 14-16 und 16-18 Uhr
Vorlesung
  Voraussetzungen für Block B und C: Vordiplom Informatik
  Teilnehmerinnen 18
Die Veranstaltung soll in die Grundlagen von Petri-Netzen, ihre Anwendungen im Systementwurf und die grundlegenden Analysemethoden einführen. Dabei sollen nicht nur konkrete Netzklassen sondern auch netzähnliche im Software Engineering benutzte Formalismen vorgestellt werden. Die Vorlesung teilt sich in drei Blöcke auf:
A:
Netze und netzähnliche Formalismen
B: Theoretische Grundlagen von Netzen und ihre strukturierte Konstruktion
C: Analyse von Netzen
Begleitend zu den drei Blöcken soll es Übungsaufgaben geben, eventuell auch eine Besprechung der Übung und/oder die Ausgabe von Musterlösungen.
Block A und B können unabhängig voneinander gehört werden, während Block C auf die Grundlagen von Block B aufsetzt.


IF 3-782 Qualitätsmanagement
  Dr. Ruth Marzi, TU Berlin
  Sa. 26.9. 14-16 und 16-18 Uhr Vorlesung
  Voraussetzungen Grundkenntnisse Software Engineering
  Teilnehmerinnen 16
Nach der Erarbeitung der Grundlagen möchte ich den Schwerpunkt auf die Probleme und Lösungsmöglichkeiten legen, die sich bei dem Versuch ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) einzuführen, ergeben. Dieses ist im Dienstleistungsbereich schwieriger als im produzierenden Bereich. Die Probleme sind hier weniger technischer Art als die kritische bis ablehnende Haltung von MitarbeiterInnen und Führungskräften (wozu wird ein QMS gebraucht, es läuft doch alles gut; ein QMS bringt nichts, es bedeutet nur mehr Formulare; ein QMS dient der Kontrolle der MitarbeiterInnen; ...). Aufklärungsarbeit ist essentiell für die erfolgreiche Einführung eines QMS. Ein QMS ist kein Selbstzweck, sondern soll eine Verbesserung der Qualität der Arbeitsleistung und deren Resultat dienen.


IF 3-783 User-Partizipation: Methoden, Modelle und Erfahrungen
  A. Univ. Prof. Dr. Edeltraud Hanappi-Egger, TU Wien, Österreich
  Mi. 30.9. 14-16
Do. 1.10. 10-12 und 14-16 Uhr
Workshop
  Voraussetzungen Grundkenntnisse Software Engineering, Ende Grundstudium
Die Einbindung zukünftiger User in den Software-Entwicklungsprozeß ist eine inzwischen weitverbreitete Forderung, insbesondere wenn das Design und die Entwicklung von Software auch als Qualifikationsprozeß für SystemdesignerInnen und BenutzerInnen gesehen wird. In diesem Zusammenhang sollen verschiedene Modelle und Methoden der User-Partizipation vorgestellt werden. Ein besonderer Schwerpunkt der Lehrveranstaltung stellt allerdings die praktische Anwendbarkeit dar: Zu diesem Zwecke sollen die Studentinnen anhand eines Fallbeispiels (nämlich die Erarbeitung eines Konzepts eines Tools für die Planung von Operationsterminen einer chirurgischen Abteilung) lernen, welche Faktoren organisationstheoretischer Natur - wie z.B. Macht, Kontrolle, aber insbesondere auch geschlechtsspezifische Aspekte, etc. - den Entwicklungsprozeß mitbestimmen. Das aus didaktischen Gründen vorgeschlagene Rollenspiel gibt den Studentinnen die Möglichkeit, sich als User zu f¸hlen. Das im Rahmen der Reflexionsrunde aufzuarbeitende Feedback wird wichtige Impulse für die Entwicklung des Systemkonzepts liefern.


IF 3-784 Software Engineering + World Wide Web = Web Engineering
  Dr. Martina Schollmeyer, FAST e.V., München
  Fr. 2.10. 8-12 Uhr Vorlesung
  Voraussetzungen Grundkenntnisse Software Engineering
Nachdem in den ersten Jahren der Fokus des WWW fast ausschließlich die rein passive Darstellung von Informationen war, sind nun vorallem die interaktiven Anwendungen auf dem Vormarsch. Dies wird z.B. durch die plattformunabhängige Programmiersprache Java möglich. Der Entwurf solcher komplexen Anwendungen bedarf mehr als nur der Verwendung von "Quick & Dirty" Methoden. Es muß sichergestellt werden, daß Schnittstellen definiert und abgestimmt werden, und daß Anwendungen auch für den Benutzer im Internet einfach zu bedienen sind. Bis jetzt wurden von vielen Entwicklern im Bereich WWW keine strukturierten Methoden beim Entwurf und der Realisierung ihrer Webanwendungen verwendet. Das Problem ist, daß das WWW ein Medium ist, in dem schnell einfache Lösungen ohne vorhergehende Analyse produziert und getestet werden können, und wo komplexe Anwendungen aus einfachen herauswachsen, die immer weiter ergänzt werden. Ziel dieser Veranstaltung ist, die Unterstützung strukturierter Methoden bei der Entwicklung von interaktiven Webanwendungen mit Multimediaelementen durch eine Integration aller benötigten Werkzeuge in eine einzige Plattform vorzustellen.

zur Einladung


Gültig bis 31.05.2000. Letzte Änderung 03/98. C.D.