[Uni-Logo] Universität Bremen
Fachbereich 3 Mathematik / Informatik
Studiengang Informatik
AG Theoretische Informatik

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[Feminale-Logo] Sommerstudium vom 21.9 - 2.10.1998
im Rahmen des Projekts Informatica Feminale - Sommeruniversität für Frauen in der Informatik

Interaktion und Medien





Das Einsatzgebiet von Computersystemen ist einer stetigen Ausweitung unterworfen. Parallel zum Wandel der Sichtweisen auf die Informatik verändern sich auch die Erwartungen, die an derartige Systeme gestellt und die Aufgaben, die ihnen übertragen werden. Heute steht nicht mehr die datenverarbeitende Maschine im Vordergrund, die auf Tastendruck eine Berechnung ausführt, sondern immer mehr das Medium zur Information und Kommunikation. In den Anwendungen wird diese Veränderung im Zuge der Vernetzung und der Digitalisierung aller Medien besonders deutlich. Aber auch in Theorie und Modellbildung kündigt sich ein "Paradigmenwechsel" an, der mit den Begriffen "Interaktion" und "Medium" charakterisiert werden kann.
Der Themenschwerpunkt Interaktion und Medien soll diesem Trend Rechnung tragen. Dabei kommt den interdisziplinären Bezügen eine herausragende Rolle zu, beispielsweise zur Psychologie, zu den Erziehungswissenschaften, zum Design und natürlich zu den Medien- und Kommunikationswissenschaften, aber auch zur Philosophie und den Sozialwissenschaften. Die Informatik bleibt aber dennoch der Kern dieses Themenschwerpunkts.

Von "Virtual Reality" bis "Graspable User Interfaces": neue Schnittstellen
Dipl. Inform. Ingrid Rügge, Uni Bremen; Martina Janßen, Kalkar

Spezielle Probleme der Mensch-Maschine-Interaktion
Dr.-Ing. Ruth Marzi, TU Berlin

Graphtransformation und Bilderzeugung
Dipl. Inform. Renate Klempien-Hinrichs, Uni Bremen

Gibt es eine Künstliche Intelligenz?
Dr. Barbara Messing, Uni Karlsruhe

Neue Lebensformen im Netz
Dr. Helene von Oldenburg, Rastede

The Visible Human Project - Ein virtueller Bildkörper im militärischen Kontext und populärwissenschaftlicher Darstellung
Claudia Reiche, Hamburg

Bewegung ist bei Feldenkrais das Medium
Hedda Mahnhardt, Bremen

Der Artificial Life Ansatz zur Modellierung biologischer Systeme
Dr. Susanne Huber, Uni Zürich

Projektionsflächen. 'Virtuelle Realität' als kulturelle Wunschmaschine
Ulrike Bergermann, Hamburg

Natur-Menschen oder Maschine-Menschen? Über das Körpererleben im Zeitalter der Maschine.
Dipl.-Psych. Esther Bernds, Uni Bremen




IF 3-893 Von "Virtual Reality" bis "Graspable User Interfaces": neue Schnittstellen
  Dipl. Inform. Ingrid Rügge, Uni Bremen
Martina Janßen, Kalkar
  Mi. 23.9. 10-12 und 14-16 Uhr
Do. 24.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Fr. 25.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Sa. 26.9. 12-18 Uhr
So. 27. 9. 12-18 Uhr
Seminar mit Wahrnehmungsversuchen
  Voraussetzungen: Vordiplom Informatik (oder vergleichbare Kenntnisse); Offenheit gegenüber Experimenten zur eigenen Wahrnehmung
  Teilnehmerinnen: 20
  Leistung der Teilnehmerinnen: ca. 20 min. Vortrag im Seminar (schriftliche Ausarbeitung nur zum Erwerb eines Seminarscheins)
Es wird in diesem Seminar um Computer, menschliche Wahrnehmung und die Berührungsstellen zwischen ihnen gehen. Die graphische Benutzungsschnittstelle nach der Desktopmetapher hat sich etabliert, bewährt und ihre Grenzen offenbart. Diese verlaufen ungefähr dort, wo die (rechnergestützte) Bewältigung von Aufgaben mehr menschliche Sinne erfordert als den Gesichtssinn. Also z.B. dort, wo Werkstoffe verarbeitet werden, oder wo mehrere Personen im Gespräch anhand greifbarer Modelle komplexe Lösungen entwickeln. Denn begreifen hat nicht nur etymologisch etwas mit greifen zu tun, das wird mittlerweile auch in der Informatik bekannt. Der Schwerpunkt des Seminars wird also auf jenen Interfaces liegen, die die Integration weiterer menschlicher Sinne zum Ziel haben, sei es virtuell oder real. In Vorträgen verschaffen sich die Teilnehmerinnen einen Überblick über die aktuellen Forschungen auf diesem Gebiet. Um einen besseren Eindruck davon zu gewinnen, welche menschlichen Fähigkeiten mit den neuen Mensch-Maschine-Schnittstellen modelliert werden sollen, werden wir in Selbstversuchen und Übungen miteinander unsere eigene Wahrnehmung erkunden und (neue) Erfahrungen mit unseren Sinnen machen.


IF 3-772 Spezielle Probleme der Mensch-Maschine-Interaktion
  Dr.-Ing. Ruth Marzi, Berlin
  So. 27. 9. 14-18 Uhr
Mo. 28.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Di. 29.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Mi. 30.9. 8-12 und 14-16 Uhr
Do. 1.10. 8-12 und 14-16 Uhr
Vorlesung mit Übung/Vortrag
  Voraussetzungen: Vordiplom Informatik (oder vergleichbare Kenntnisse)
  Leistung der Teilnehmerinnen: regelmäßige Teilnahme; Vortrag mit Ausarbeitung
  Teilnehmerinnen: 15
In dieser Lehrveranstaltung wird der Einsatz verschiedener Verfahren zur Erhöhung der BenutzerInnenakzeptanz komplexer Anwendungssysteme vorgestellt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Einsatz von Methoden und Verfahren der künstlichen Intelligenz (verteilte Ansätze, natürlich-sprachliche Benutzungsschnittstellen, Kommunikation und Interaktion, Problematik von und Tools für Anwendungsentwicklungssysteme). Dort wird insbesondere auf BenutzerInnenmodellierung und die Verarbeitung gesprochener Sprache eingegangen.
Im ersten Teil der Veranstaltung werden die Grundlagen gemeinsam erarbeitet, wobei die Inhalte in Form von Vorlesungen/Vorträgen präsentiert werden. Zur Vertiefung verschiedener Aspekte wird die Problematik des Einsatzes über ausgewählte Verfahren und deren Applikationen durch Studentinnen erarbeitet.


IF 3-621 Graphtransformation und Bilderzeugung
  Dipl. Inform. Renate Klempien-Hinrichs, Uni Bremen
  Mo. 21.9. 14-16 Di. 22.9. 10-12, 14-16 Mi. 23.9. 10-12, 14-16 Vorlesung mit Übungen
  Voraussetzungen: Kenntnisse in formalen Sprachen und (kontextfreie) Grammatiken
  Leistung der Teilnehmerinnen: Lösung von Übungsaufgaben
Hyperkantenersetzung ist eine Methode zur Graphtransformation, die die kontextfreien Wortgrammatiken verallgemeinert, aber dennoch viele Entscheidbarkeitsaussagen zuläßt. Collagengrammatiken basieren auf dem Prinzip der Hyperkantenersetzung; mit ihnen können Bilder wie z.B. (Annäherungen an) Fraktale auf syntaktische Weise erzeugt werden. Je nach Interesse der Teilnehmerinnen werden praktische Übungen an dem System "CollageVR" zur Erzeugung von Collagen durchgeführt.


IF 3-774 Gibt es eine Künstliche Intelligenz?
  Dr. Barbara Messing, Uni Karlsruhe
  Di. 29.9. 10-12 und 14-16 Uhr
Mi. 30.9. 10-12 Uhr
Do. 1.10. 14-16 Uhr
Vorlesung
Die "Künstliche Intelligenz" (KI) als Teilbereich der Informatik hat eine stürmische Entwicklung erlebt und erlitten. Sie trat an mit vollmundigen Versprechungen, wurde stets von einer ungeduldigen Erwartungshaltung begleitet und scharf attackiert. Inzwischen sind KI-Methoden in so viele Bereiche der Informatik eingedrungen, daß eine Abgrenzung zur "Kerninformatik" schwer fällt. Was meinen wir aber wirklich mit "Intelligenz"? Welche Ideen hatten die PionierInnen der KI - und was ist daraus geworden? Worin unterscheiden sich menschliches und maschinelles Problemlösen? Wie weit geht die Anpassung des Computers an den Menschen? Sind Roboter wirklich unsere "nächsten Verwandten", wie es in einem Buchtitel heißt? Ist das überhaupt wünschenswert? Ist die Vision vom künstlichen Gehirn/Menschen am Ende "typisch männlich"?
In der Vorlesung werden unterschiedliche Standpunkte und Denkansätze zu diesen Fragen diskutiert. Dabei werden KI-Methoden und -Projekte exemplarisch vorgestellt und philosophische und psychologische Aspekte besonders berücksichtigt.


IF 3-997 Neue Lebensformen im Netz
  Dr. Helene von Oldenburg, Rastede
  Mo. 21.9. 16-18 Uhr Performance und Vortrag
Das WWW wächst unaufhaltsam und wird immer engmaschiger. Server, User, Programme, Informationen, Datenmengen, Browser und Viren führen hier ihr Eigenleben. Dabei übersehen wird in der Regel das heimliche Wesen des Netzes selbst. Dieses ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Evolution. Ist doch bekannt, daß die Evolution der Lebewesen parallele Entwicklungen bevorzugt. Was also bedeutet es für die Evolution, wenn das Web weltweit in alle nur denkbaren kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhänge hineinwächst? Welche Lebewesen werden sich anpassen und in welcher Form? Es wird eine neue Spezies geben müssen. Deren Entwicklung läßt sich heute schon im Netz aufspüren. Dazu ist es nun unumgänglich, eine Systematik der Webfauna zu entwickeln. Grundsätzlich muß festgestellt werden, ob es sich um ein Lebewesen handelt oder nicht. Habitat, Physiologie und Verhalten müssen beobachtet und verglichen werden. Und die Relation der Arten zueinander muß bestimmt werden.


IF 3-998 The Visible Human Project - Ein virtueller Bildkörper im militärischen Kontext und populärwissenschaftlicher Darstellung
  Claudia Reiche, Hamburg
  Di. 22.9. 14-16 Uhr Vortrag und Präsentation mit anschließender Diskussion
Das Visible Human Project der National Library of Medicine (US) schreibt eine neue Geschichte der Abbildung. Als erstes sind Volumendaten eines "complete normal adult male and female" durch die Digitalisierung fotografischer Querschnittsbilder menschlicher Leichen erfaßt worden. Diese Datenmengen wurden zugleich als Bildlichkeit und begrifflich ausgearbeitete Informationsstruktur konzipiert. Als Material eines neuen "visuellen Wissens" gerühmt, das als knowledge base wie als "realistische" Simulation ausgearbeitet werden kann, wird in den Zielsetzungen und Bearbeitungen des Datenmaterials eine Überschreitung bisheriger wissenschaftlicher Rationalität betrieben: medientechnisch induziert verwischen sich auf eine neue Weise die Unterschiede zwischen Dokument und Fiktion, zwischen Bildlichkeit und Realität. Wie ist nun diese grundsätzliche Veränderung der Bildmöglichkeiten zu denken, ohne in die Topoi populärwissenschaftlicher oder militärisch-propagandistischer Darstellungen zu verfallen? Es geht also um einen Versuch der Entmischung, darum, ein Differenzierungsvermögen auszubilden und Denkmöglichkeiten zu eröffnen.


IF 3-99A Bewegung ist bei Feldenkrais das Medium
  Hedda Mahnhardt, Bremen
  Mo. 28.9. 8-12 Uhr
(evtl. Terminverschiebung)
Vortrag mit anschließenden praktischen Übungen am Computerarbeitsplatz
  Teilnehmerinnen: 15
Die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten, die wir im Säuglings- und Kleinkindalter erlernt haben, gehen im Laufe des Lebens teilweise verloren. Es entstehen feste Muster, Strukturen, die Beschwerden hervorrufen können. Dr. MoshÈ Feldenkrais entwickelte u.a. aus den Bereichen Anatomie, Physiologie, Neurologie und Verhaltensforschung die Methode des Um- und Neulernens. Die Grundlagen aller menschlichen Entwicklungsprozesse sind im Gehirn gespeichert und können jederzeit neu aktiviert werden. So ist es lernbar, sich zu fühlen und zu spüren: In kleinen, schrittweisen Bewegungen, die vorher unmöglich erschienen. Diese Bewußtheit macht es möglich, neu zu lernen und sich selbst zu erfahren.


IF 3-773 Der Artificial Life Ansatz zur Modellierung biologischer Systeme
  Dr. Susanne Huber, Uni Zürich
  Mo. 28.9. 14-16 Uhr Vortrag mit Diskussion
Biologie und Kognitionswissenschaften versuchen zu verstehen, wie Lebewesen aus sensorischen Signalen Information über die Umwelt erhalten, aufgrund derer sie sich in der jeweiligen Situation angepaßt verhalten können. Die Verarbeitung sensorischer Information, insbesondere visueller Information, wird seit langem an Fliegen untersucht, da das perzeptuelle System von Insekten eine einfachere Struktur aufweist als das von phylogenetisch höher entwickelten Lebewesen. Vorgestellt werden Methoden von Artificial Life, mit Hilfe derer biologische Modelle des visuellen Orientierungsverhaltens von Fliegen im Computer simuliert sowie auf einem Roboter umgesetzt wurden. Die Kontrollarchitektur der künstlichen Agenten wird entweder mit genetischen Algorithmen optimiert oder die biologischen Modelle wurden direkt ohne evolutionären Prozeß implementiert. Die Agenten zeigen Verhaltensweisen der Hindernisvermeidung, Kursstabilisierung und Objektfixation.


IF 3-999 Projektionsflächen. 'Virtuelle Realität' als kulturelle Wunschmaschine
  Ulrike Bergermann, Hamburg
  Mi. 30.9. 14-16 Uhr Vortrag und Videopräsentation mit anschließender Diskussion
Was ist Virtuelle Realität (VR)? Über die Geräte läßt sich VR kaum definieren, denn die verändern sich ständig. VR bezeichnet eher ein Bild von einem Medium, ein Denkmodell für eine mediale "Umgebung" von besonderen, medienhistorisch neuen Qualitäten. In welchen (notwendigerweise alten) Mustern entwerfen also EntwicklerInnen, AnwenderInnen und KulturkritikerInnen das Neue an der VR, wie sind die Vorstellungen vom Neuen den alten medialen Mängeln und Verheißungen verhaftet? Mit Stichworten wie 'Eintauchen' und 'Präsenzgefühl' kommt auch der Körper ins Spiel: wie bewegt man/frau sich in VR? Die Möglichkeiten zwischen Mechanik und Anmut haben viel mit Bildern von Weiblichkeit zu tun... Ich werde aktuelle Texte ¸ber Virtuelle Realität kontrastieren mit literarischen Beschreibungen von Bewegung und (weiblicher) Anmut. Als Beispiel dient mir die 'virtuelle Marilyn Monroe' von Nadia Magnenat-Thalmann.


IF 3-990 Natur-Menschen oder Maschine-Menschen? Über das Körpererleben im Zeitalter der Maschine.
  Dipl.-Psych. Esther Bernds, Uni Bremen
  Fr. 2.10. 10-12 Vortrag mit Diskussion
Ist der Mensch Natur oder ist er Maschine? Welche Bedeutung kommt dem Körper während des Arbeitsprozesses zu? Was hat Chaos und Eigendynamik mit dem Körpererleben zu tun? Es geht um die Wechselwirkungen Mensch-Natur und Mensch-Maschine mit ihren Auswirkungen auf das Körpererleben und die Sinneswahrnehmung. Der Vortrag basiert auf einer Analyse der philosophischen Literatur über die Entwicklung der Naturbeziehung von der Antike bis zur Gegenwart, psychologischen Beiträgen zum Mensch-Natur-Verhältnis und einer qualitativen Studien zum Naturbewußtsein im Alltag. Anhand der Untersuchungsergebnisse wird aus psychologischer Sicht thematisiert, wie es zu einer Verdrängung wesentlicher körperlicher Funktionen aus dem Bewußtsein kam.

zur Einladung


Gültig bis 31.05.2000. Letzte Änderung 04/98. C.D.