Informatica Feminale - 10 Jahre Konzept, 5 Jahre Realisierung in der Universität Bremen

Die Informatica Feminale entstand im Kontext der Debatte um Frauenuniverstitäten. Nach einer Studie zum Interesse von Informatikstudentinnen an monoedukativer Lehre in der Universität Bremen entwickelten Rosemarie Callies, Veronika Oechtering und Ingrid Rügge im Jahre 1992 die Idee, die damals immer weniger werdenden Informatikstudentinnen in einem hochschulübergreifenden Sommerstudium zusammen zu holen. Zugleich sollten Fachfrauen aus Wissenschaft und Praxis als Dozentinnen sichtbar gemacht werden und in Diskursen unter Frauen curriculare Veränderungen des Informatikstudiums theoretisch analysiert sowie neue Konzepte praktisch erprobt werden.

Die Idee wurde unter Informatikerinnen begeistert aufgenommen, doch bis zur Realisierung war viel Geduld nötig. Erst im Mai 1997 startete das Projekt Informatica Feminale am Studiengang Informatik der Universität Bremen unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Jörg Kreowski. Bis Ende 2000 wurde es von der Universität Bremen im Rahmen des Hochschulsonderprogramms (HSP) III gefördert. Seit Anfang 2001 gehört die Informatica Feminale zum regulären Angebot des universitären Informatikstudiengangs in Bremen. Bis heute ist es bundesweit das einzige reguläre monoedukative Studienangebot in einem naturwissenschaftlich-technischen Fach einer Universität.

Die Informatica Feminale ist ein Ort des Experimentierens, um neue Impulse in das Informatikstudium zu bringen.

Drei konzeptionelle Aspekte einer universitären Bildung - Definition von curricularen Grundlagen, Ausbildung von Studierenden und Förderung von Lehrenden - sind in diesem Ansatz eng miteinander verbunden. Sie verzahnen Studieren, institutionelle Strukturen und die Kultur an einer Universität. Gerade für technische Fächer haben verschiedene Untersuchungen nachgewiesen, dass dieser Prozess sehr von männlichen Interessen geprägt ist. Mit der Informatica Feminale wollen wir Frauen auf verschiedenen universitären oder wissenschaftlichen Handlungsebenen unterstützen, hier verstärkt Einfluss zu nehmen.

Mit drei Workshops "Das Informatikstudium: Zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und Erwerb von Berufsfähigkeiten?", "Das Unsichtbare sichtbar machen. Fraueninteressen am Informatikstudium" sowie "Mehr Frauen in die Informatik?! Studienreformen in Theorie und Praxis" konnten bisher Grundlagen einer Curriculardiskussion gebildet werden. Seit 1998 wird in Bremen jährlich in zweiwöchigen Sommerstudienblöcken mit Lehre experimentiert. Das Themenspektrum orientiert sich an den allgemeinen Curricula-Empfehlungen für die Informatik, Schwerpunkte ergeben sich aus den vorangegangen curricularen Diskussionen sowie aus Vorschlägen der Dozentinnen. Zahlreiche Fachfrauen haben die Gelegenheit genutzt, ihre vorhandenen Lehrkonzepte zu variieren, Neues auszuprobieren oder überhaupt ihr Wissen in die Hochschullehre einzubringen und sich auf dem Weg zu einer Professur weiter zu qualifizieren. Die Informatica Feminale ist damit keine auf eine neue Studierendenelite ausgerichtete Einrichtung, sondern verfolgt konsequent den Weg einer offenen Teilhabe von Studentinnen und Fachfrauen an der Gestaltung eines frauengerechten Informatikstudiums.


Copyright: Universität Bremen, Informatica Feminale 2002 - www.informatica-feminale.de
Letzte Änderung 05/2002
VO